Freiheitsbrief 1729

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Von Gottes Gnaden wir, Johann Baptist Abt, Prior und Gemeinde-Konvent des lobwürdigen Klosters U.L. Frauen bei der H. Gräffin Idda von Fischingen, tun manchem kund, dass unser Kloster anno 1693 von dem hochwürdigsten Fürsten und Herrn He. Marquardo Rudolpho, Bischof von Konstanz, um eine gewisse Summe Geld die Gemeinden der vier Höfe mit Namen Tannegg, Sirnach, Bettwiesen und Mosnang in der Herrschaft und im Amt Tannegg, samt allem dazugehörenden, käuflich an uns gebracht haben. Weil aber die Leute oben erwähnter Herrschaft, wie die Leute in der Nähe von Fischingen, vom Bischof Albrecht und Bischof Otto Gnaden und den Freiheitsbrief erhalten, tun wir sie für uns und unsere Nachkommen mit gleicher Gnade ansehen. Auch mit Willen und Gunst unseres wohlehrwürdigen Capitels (versammelte stimm- und urteilsfähige Mannschaft des Klosters) versprechen wir hiermit, dass ernannte Leute und Güter samt ihren Nachkommen, nun und hierfür, auf keinen Fall ohne ihren Willen, Wissen und auch guten Gunst weder gesamthaft noch teilweise versetzt, verliehen oder verkauft werden sollen und dass auch selbige Leute der Gemeinde des Tannegger Amts und Fischingen samt ihren Nachkommen ewig und für immer bei allen ihren alten, redlichen, bewährten und hergebrachten Gewohnheiten und Rechten bleiben sollen. Also haben wir bei unseren abteilichen Treuen für uns und all unsere Nachkommen gelobt, es dabei zu belassen und sie zu schirmen und halten, ohne Zwietracht. Wenn ein Abt von Fischingen von Todes wegen oder sonst aus erheblichen Ursachen abtritt, so sollen Ihnen doch dieselben Freiheiten vom neu erwählten Abt gegeben werden. Die Leute sind weder ihm noch dem Capitel zu huldigen noch zu schweren schuldig, ehe ihnen nicht ein besiegelter Brief gegeben wird und sie bei gleichen Freiheiten, Gnaden, guten Gewohnheiten und Rechten bleiben lässt. Sobald ihnen solch ein Brief und Siegel gegeben wird, so sollen sie zu huldigen und zu schweren schuldig sein ohne jeglichen Widersatz und Widerrede. Um das alles zu wahren und offen zu beurkunden, geben wir, obengenannter Abt von Fischingen, für uns und all unsere Nachkommen unser abteiliches Siegel. Desgleichen geben wir, Prior und Capitelvorsteher desselben, auch unser Siegel diesem Brief für uns und unsere Nachkommen, so dass auch dem Kloster alle anderen Rechte und Gerechtigkeiten, Zinsen und Gülten ohne Schaden, die zu geben sind.

Fischingen, 1. Juni 1729

Siehe dazu Chronik „Sirnach … von einst bis heute“ A II 24 „Die Befreiung“ und A II 71