Urteilsbrief wegen Trieb- und Tretrecht und Weidgang zwischen der Gemeinde Sirnach und der Gemeinde Busswil

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Wir, von Gottes Gnaden Ancidus der Zweite, Abt vom Kloster Fischingen und Herr von Tannegg, geben hiermit kund, dass die ehrsame Gemeinde Sirnach und die ehrsame Gemeinde Busswil untertänig vor uns gekommen und erschienen sind. Sie bringen vor, wie sie miteinander wegen dem Trieb-, Trett- und Weidgang schon seit einer geraumen Zeit in einem Streit gestanden seien und wie bereits das halbe Kaufgericht von Tannegg einen Augenschein genommen und ein Urteil gefällt habe. Da sie aber auf beiden Seiten mit dem ergangenen Urteil nicht getröstet sind, haben sie uns ganz untertänig gebeten, dass wir gnädig beruhen möchten, selbst einen Augenschein zu nehmen. Um Ihnen zu entsprechen, haben wir uns nebst einigen unseren Beamten auf den fraglichen Stoos begeben, den Augenschein genommen und da dann hierauf von beiden Parteien Rede und Widerrede, Klage und Antwort, vorgelegte Briefe und Dokumente entgegengenommen. In ihrem bis anhin gehabter Streit, rechtlich unabänderlich und mit geschlossenem Endspruch, freiwillig und ungezwungen überlassen und übergeben worden, haben wir also folgendes Endurteil abgefasst und durch einen Rechtsspruch anerkannt.

  1. Dass die Gemeinde Sirnach durch ihren im Jahre 1642 errichteten Vergleichs brieflich geschützt und dieser mit folgender Erläuterung für gut geheissen wird: Dass die Gemeinde Busswil künftig Trieb und Trett durch den Rooset bis zur Landstrasse haben soll, über den Sirnacherberg und nach Wil gehen, auch bis an den Kirchweg so gegen Littenheid gehen kann, aber nicht weiter.
  2. Wenn die genannte Gemeinde Busswil mit ihrem s.v. Vieh in das Bruggfeld fahren will, soll sie aus dem Aufeld durch das Gässlein, die Landstrasse hinab gegen das Huber Wirtshaus in das genannte Bruggfeld fahren, bis an das nächste Eck der Breitwies ob dem Bruggfeld.
  3. Die bis anhin den beiden Parteien ergangenen Unkosten sollen zur Fortpflanzung guter Nachbarschaft, Einigkeit und Verständnis jede Partei selbst tragen. Mithin soll aller bis anhin gehabter Streit und Zwietracht aufgehoben sein.

Zur Urkunde dessen haben wir, anfangs genannter Abt, unser abteiliches Siegel unserer Nachkommen und Kloster jederzeit ohne Nachteil an diesen Urteilsbrief hängen lassen.

Fischingen, 16. März 1736

Siehe dazu Chronik „Sirnach … von einst bis heute“ A II 64